Das politische Jahr 2009 wird (zumindest in den Niederlanden) als Wendepunkt in die Geschichte eingehen. Endlich haben auch die Politiker der traditionellen Parteien eingesehen, dass Krisen unseren Planeten schütteln, verursacht durch den Menschen und nur noch durch Paradigmaveränderung zu lösen.
Als die Partei für die Tiere 2007 den ersten niederländischen Klimafilm herausbrachte – Meat the truth – wurde im politischen Den Haag mit Unglaube und Hohngelächter reagiert. Luuk Blom von der Partei für die Arbeit behauptete damals voller Überzeugung, es bestehe kein einziger Zusammenhang zwischen der Massentierhaltung und dem Abholzen des tropischen Regenwaldes. Annie Schrijer-Pierik von den Christen Democratisch Appel sagte, dass der Film Lügen enthielt (noch bevor sie ihn gesehen hatte) und kündigte einen eigenen Film an – “Annie, die Wahrheit einer Kuh“ – in dem sie unseren Film widerlegen wollte. Landwirtschaftsministerin Verburg ließ die Universität Wageningen 3 Monate an unserem Film rechnen, da sie die Resultate davon kaum glauben konnte, aber Wageningen konnte keinen Fehler entdecken.
Jetzt, zwei Jahre später der Umschwung. Landwirtschaftministerin Verburg gibt zu, dass sich hinter der Finanzkrise noch viele schwerere Krisen verbergen. In ihrer Sichtweise über die Weltnahrungsmittelkrise übernimmt sie die Analyse der Partei für die Tiere, nämlich, das ein unzumutbares Ungleichgewicht in der Welt herrsche, in der 1 Milliarden Menschen mit Obesitas kämpfen, während gleichzeitig 1 Milliarden Menschen jeden Abend mit Hunger ins Bett gehen. Da 50% der Weltgetreideernte durch die Massentierhaltung verbraucht wird, werden nicht nur in rasendem Tempo Regenwälder abgeholzt, sondern verursachen wir auch Hunger in der Welt. So langsam wird deutlich, das die Niederlande nicht länger der Metzger und der Milchbauer von Europa sein kann.
Das Planungsbüro für Lebensumgebung befürwortet eine drastische Verminderung des Fleisch-, Fisch- und Milchprodukteskonsums und das wird durch die FAO, dem Club von Rom, dem World Watch Institut, Nobelpreisgewinner Pachauri en Gore, Paul McCartney, dem britischen Regeringsadviseur Lord Stern unterstützt.
Europarlamentsmitglied Esther de Lange von den Christdemokraten machte sich unsterblich lächerlich, indem sie sich in einer Pressemitteilung über die Tatsache beklagte, dass McCartney im großen Saal des Europäischen Parlaments sprechen durfte. Ihre eigenen Lösung der Klimakrise: leg die Frikadelle, die Mittwochs übrig bleibt, Donnerstags mit etwas Senf auf dein Butterbrot. Geschwätz einer Fleischlobby, die es einfach nicht glauben kann und will.

Die Politik bewegt sich immer noch langsam, aber die Richtung ist mittlerweile deutlich. Die Verleugnung des desaströsen Einflusses der massenhaften Produktion von tierischen Eiweißen wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Die Kosten zur Bekämpfung des Klimaproblems könnten 50 –70 % reduziert werden, wenn wir unsere Eßgewohnheiten ernsthaft auf den langfristigen Konsum von pflanzlichen Eiweißen umstellen.
Formgeber des heutigen niederländischen Kabinett und ehemaliger Direktor der Rabobank Herman Wijffels entschloss sich, zusammen mit seiner Frau Vegetarier zu werden für eine umweltfreundliche Zukunft.
Natürlich macht eine Schwalbe noch keinen Sommer, aber die Tendenz ist deutlich und auch nicht mehr abzuwenden.
Lange glaubte man, dass man sich aus Kostengründen keine umweltfreundliche Zukunft leisten könne, aber mittlerweile kommen mehr und mehr Politiker dahinter, dass der Ausdruck leisten können keinen Bedeutung im Zusammenhang mit Geld haben sollten, sondern mit dem kostbarsten Gut, welches wir haben: saubere Luft, sauberes Wasser, stabiles Klima, saubere Böden und eine robuste Biodiversität. Landwirtschaftsministerin Verburg erkennt mittlerweile, das 30% Verlust unserer Biodiversität der Massentierhaltung zu zuschreiben ist.
Von einem ‘below the line Thema’ welches vor allen mit den Backbenchers der großen Fraktionen assoziiert wurde, ist unsere Nahrungsmittelversorgung in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt.
Nahrung ist wieder lebenswichtig geworden, überlebenswichtig.
Die Dringlichkeit wird spürbar und wird kurzfristig zu drastischen Kursveränderungen führen. Teilweise aus Eigenantrieb, aber auch weil die Politiker endlich einsehen, dass ein Leck im Boot ist und es nun pumpen oder ertrinken heißt. Wir können nicht einfach mit der Zerstörung der Mineralienbalance fortfahren, dem Verpulvern von Phosphaten von begrenzten Quellen
Wir wissen, dass sich unser Leben grundsätzlich verändern wird in den kommenden Decennia, als Folge der Grundstoffknappheit, Klimaproblemen, Tierseuchenkrisen und dem Leerfischen der Ozeane.
Wir können uns auch für einen anderen Lebensstil entscheiden, indem wir nicht länger auf Kosten von unseren Enkeln leben. Augenblicklich überschreitet unser Konsum die Reproduktionskapazität der Erde bei weitem, sodass wir einen Vorschuss von vielen nachfolgenden Generationen nehmen. Alles was wir nach September eines jedes Jahres konsumieren, übersteigt die Tragkraft der Erde. Wir stehen am Rande des Abgrundes, was Umweltschutz betrifft. Der einzige sichere Schritt, ist ein Schritt zurück, weg vom Abgrund. Business as usual, das Wunschdenken nach der Kreditkrise, werden wir vergessen müssen.
Ein umweltfreundliches Zusammenleben ist unsere einzige Chance auf eine lebenswerte Zukunft, mit Respekt vor Mensch, Tier, Natur und Umwelt. Ich bin froh, das einige Politiker endlich erkennen, dass das single issue Denken, bei dem der westliche Mensch und sein Geld im Mittelpunkt steht, der Vergangenheit angehören werden wird. Die Krise wird vielleicht irgendwann einmal als das Beste was uns geschehen konnte, eingestuft werden.
Bis nächste Woche !












