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Woche 26 - 2008

In dieser Woche haben wir im Parlament einen großen Sieg errungen. Voriges Jahr schon hat meine Kollegin Esther Ouwehand einen Antrag eingebracht, der das Essen bedrohter Tierarten (vor allem Kabeljau und Aal) im Parlamentsrestaurant verbieten würde.
Dieser Vorschlag wurde durch namentliche Abstimmung mit großer Mehrheit abgelehnt. Sogar Diederik Samson, ehemaliger Greenpeace-Mitglied und jetzt tätig für die Sozial-Demokraten im Parlament, stimmte dagegen.


Dieses Jahr hat Esther die Sache während einer Mitgliederversammlung wieder zur Sprache gebracht. Der Vorsitzende der zweiten Kammer entschied, dass es in Zukunft nur noch Fisch geben wird nach “Viswijzer”-Anweisungen. “Viswijzer” ist ein jährlich angefertigter Dauerhaftigkeitsführer des World Wildlife Fund und der Stiftung Nordsee.


Agnes Kant

Diese Woche entschied der Anführer der Sozialistischen Partei, Jan Marijnissen nach 14 Jahren, zurückzutreten. Er hat dafür gesorgt, dass seine Partei in 14 Jahren von 2 auf 25 Parlamentsmandate wuchs. Er wird von einer Frau, Agnes Kant, nachgefolgt und so kommt die Zahl der weiblichen Fraktionsführer auf eine Rekordhöhe: fünf der elf Fraktionsführer sind Frauen. Um diese würdige Tatsache zu feiern habe ich den weiblichen Fraktionsführern vorgeschlagen zusammen essen zu gehen und nach der Sommerpause machen wir das.

Eine der größten holländischen Zeitungen hat am vergangenen Sonntag eine Debatte mit dem Thema Fleischkonsum veranstaltet. Als Teilnehmer der Debatte wurde ich eingeladen meine Sicht dieser Problematik schon am Samstag in der Zeitung zu publizieren. Diese Publikation hat zu vielen Reaktionen geführt. Die Publikation und die Reaktionen stehen hier in der niederländischen Sprache online:

http: extra.volkskrant.nl/opinie/artikel/show/id/846

Fleisch, ein gesellschaftliches Problem auf unserem Teller. Mit blödsinnigen Argumenten beschönigen Fleischliebhaber ihren Fleischkonsum. Aber laut Marianne Thieme wird derjenige der die Umwelt liebt, Vegetarier.

Fleisch bedeutet Emotion. Es gibt viele Argumente fürs Konservieren der Konsumgewohnheiten, zum Beispiel das Verbessern des Wohls von Milliarden Tieren, Hilfe für 850 Millionen Menschen mit großem Hunger in Entwicklungsländern und die Bewahrung der Biodiversität. Es gibt nur einen Einwand: Fleisch schmeckt so gut. Und weil man diese Emotion beschönigen will, bedenkt der Fleischliebhaber viele urban legends. Wie die Legende dass Biobrennstoffe Hunger zur Folge hätten.

Aber laut Landbau-expert Louise Fresco wird weniger als zwei Prozent des Weltlandbau-areals für Biobrennstoffe benutzt, während 80% für die Viehwirtschaft eingesetzt wird. Fleisch, bestimmt für den westlichen Konsument ist dafür unbestreitbar verantwortlich. Unser Beefsteak konkurriert mit zehn Tellern Getreide. In diesem Augenblick erreichen nur 15 Prozent pflanzlicher Eiweiße den Magen des Fleischliebhabers. 85% gehen verloren oder sogar noch schlimmer: werden in Gülleüberschüsse umgesetzt. Nur in den Niederlanden bedeutet das jährlich ein Misthaufen von über 4000 Kilogramm per Niederländer!

Ein anderes Märchen ist, dass Tiere, vor allem Schweine, Weltmeister Müllverarbeiter sein würden. Landbautiere würden Abfallprodukte der Nahrungsmittelindustrie in Fleisch umsetzen. Ohne Tiere würde unser Abfallhaufen nur zunehmen. Auch Grasland, etwa zwei Drittel des gesamten Weltlandbauareals, könnte die Tiere füttern.

Futter

Der Einfachheit halber vergisst man, dass Tiere auch Kraftfutter bekommen und dass fast die Hälfte der weltlichen Getreideernte für Tiere bestimmt ist. Harry Aiking der Freien Universität sagt, dass drei Viertel der Sojaproduktion für die Viehwirtschaft bestimmt ist. Außerdem sind viele Teile des Graslandes sehr geeignet für Ackerbauwachstum. Das heutige Landbau-areal ist imstande Milliarden Menschen extra zu ernähren mit Getreide und Hülsenfrüchten, wenn nicht erst die pflanzlichen Eiweiße von unserem Viehbestand aufgefressen würden.

Isst der Mensch wegen der Gesundheit Fleisch? Jährlich werden in den Niederlanden pro Person 82 Kilogramm Fleisch konsumiert. Vor fünfzig Jahren war das noch die Hälfte. Seit vorigem Jahr sterben weltweit mehr Menschen am Übergewicht als am Hunger. John Powles von der Cambridge University sagt, dass der Konsum von zuviel tierlichen Eiweißen eine wichtige Ursache von Übergewicht und anderen Krankheiten ( Krebs /Herz und Gefäßkrankheiten) ist. Der durchschnittliche Niederländer isst 30% zu viel tierliche Eiweiße. Eine vegetarische Lebensweise wäre eine gesunde Alternative.

Eine humanitäre und ökologische Katastrophe

Es ist klar, dass die Zunahme des Fleischkonsums im Westen, China und Indien zu einer humanitären und ökologischen Katastrophe führen wird. Fleischkonsum bildet eine zu schwere Belastung fü die Süßwasservorräte, den tropischen Regenwald und andere natürliche Hilfsquellen. Mit 18% ist die Viehwirtschaft der wichtigste Verursacher von Treibhausgasen. Das sind 40% mehr als alle Wagen, Pritschenwagen, Flugzeuge, Schiffe und Züge zusammen. Eine niederländische Kuh verursacht jährlich genauso viel Treibgas als 70.000 Autokilometer. Das sind 4,5 Personenwagen bei durchschnittlicher Benutzung.
Ist Fleisch so wichtig für uns? Das kann nicht wahr sein für Menschen, die eine dauerhafte Zukunft für unseren Kinder und unseren Planet wünschen. Wenn das nämlich der Fall ist, zeigt es von großem Egoismus.

der Staat

Das Reduzieren des Fleischkonsums ist eine individuelle Wahl, aber der Staat kann die Wahl fördern. Wenn alle Niederländer ihren gewöhnlichen Fleischkonsum reduzieren würden und ein Tag pro Woche weniger Fleisch äßen, dann erreichte das Kabinett mit einem Schlag ihre Klimazielsetzungen. Mittlerweile unternimmt das Kabinett Schritte um den Übergang von tierlichen nach pflanzlichem Eiweißkonsum zu fördern. Trotzdem subventioniert der Staat auch immer noch Fleischwerbungen und betreibt sie Dumping von Fleisch nach Entwicklungsländern. Das ist gelinde ausgedrückt sehr unethisch und zeugt nicht von einer kohärenten Regierungspolitik.

Inzwischen haben die Niederlande 750.000 Vegetarier und 3,5 Millionen Menschen, die auf Fleisch verzichten wollen. Fleisch gehört zu den drei wichtigsten Ursachen gesellschaftlicher Probleme, wie Weltnahrungsmittelknappheit, Gefräßigkeit, Tierleid, Klimakrise, Vernichtung des Regenwaldes, Krisen mit Tierkrankheiten, Wasserverschmutzung, Boden- und Luftverschmutzung. Messer und Gabel sind die wichtigste Waffen womit man diese Probleme bekämpfen kann.

Bis nächste Woche!